Sendling arisiert

Enteignung und Vertreibung jüdischer Nachbarn im Nationalsozialismus
Sendling arisiert
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  • Goeke, Simon
  • 2016
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Arisierung ist ein Begriff, mit dem die Nationalsozialisten den Transfer jüdischen Eigentums in... mehr
Produktinformationen "Sendling arisiert"
Arisierung ist ein Begriff, mit dem die Nationalsozialisten den Transfer jüdischen Eigentums in arische Hände bezeichneten. Schritt für Schritt raubten sie den Juden ihr gesamtes Vermögen und drängten sie immer stärker an den Rand der Gesellschaft. Arisierung, das bedeutete für die Betroffenen Entrechtung, Verlust ihres Heims und ihrer sozialen Stellung, gesellschaftliche Isolation und Armut. Mit der Vernichtung ihrer Lebensgrundlage zwang das NS-Regime einen Großteil der deutschen Juden, ihr Land zu verlassen.Unmittelbar nach der Machtübergabe 1933 hatte die NS-Führung zum Boykott jüdischer Unternehmer aufgerufen.SA-Posten drangsalierten Kunden beim Betreten der Geschäfte. Viele Jüdinnen und Juden konnten diesem Druck nicht standhalten und sahen sich gezwungen, ihre Betriebe zu verkaufen. So verschwanden nach und nach immer mehr jüdische Firmen. Ab 1938 wurde die Arisierung staatlich organisiert. Nun schloss die NS-Führung Juden systematisch aus der Wirtschaft aus. Sie legte fest, welche Betriebe als jüdisch galten. Jeder Verkauf musste genehmigt werden. Innerhalb weniger Monate wurden alle jüdischen Gewerbebetriebe auf Personen übertragen, die nach der rassistischen Ideologie der Nationalsozialisten als arisch galten, oder aber sie wurden aufgelöst.Nach den Ausschreitungen während der Reichspogromnacht am 9. November 1938 radikalisierten die Behörden die Verfolgung. Die Arisierung wurde auf Immo bilien- und Grundbesitz ausgeweitet, Juden in sogenannten Judenhäusern und in Sammellagern ghettoisiert.Sie mussten zahlreiche Sonderabgaben leisten und sukzessive alle ihre Wert gegenstände abliefern. 1941 begannen die Deportationen in die osteuropäischen Ghettos, Konzentrations- und Vernichtungslager. Die Finanzbehörden zogen das restliche Vermögen der Verschleppten ein. Nur ein geringer Teil von ihnen kehrte zurück.Die Verdrängung von Juden aus der Wirtschaft und der Raub ihrer Vermögenswerte war ein öffentlicher Vorgang, an dem zahlreiche Institutionen und Einzelpersonen beteiligt waren und von dem viele Deutsche profitierten. Nach der Befreiung 1945 beantragten die Überlebenden und ihre Angehörigen die Rückgabe ihrer Firmen und Entschädigung für ihr geraubtes Vermögen. Doch viele der neuen Besitzer und Profiteure wehrten sich. Die Antragsteller mussten ihre Ansprüche detailliert belegen und warteten lange auf eine oftmals geringe finanzielle Entschädigung, die in den meisten Fällen kein angemessener Versuch der Wiedergutmachung des an ihnen begangenen Unrechts darstellte.Maximilian Strnad, geboren 1976, arbeitet als Historiker, Schriftsteller und freier Grafiker in München.
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